Psychologische Fahrverhaltensbeobachtung

Praktische Beobachtung des Fahrverhaltens unter realen Verkehrsbedingungen als Bestandteil einer verkehrspsychologischen Beurteilung
Die psychologische Fahrverhaltensbeobachtung zeigt unter realen Verkehrsbedingungen, ob vorhandene Leistungsdefizite durch Fahrerfahrung und angepasstes Fahrverhalten sicher ausgeglichen werden können.

Eine psychologische Fahrverhaltensbeobachtung (FVB) ermöglicht eine praktische Einschätzung der Fahrsicherheit im realen Straßenverkehr. Sie kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn körperliche oder geistige Leistungsdefizite festgestellt wurden und geklärt werden soll, ob diese durch Erfahrung, angepasstes Verhalten und vorhandene Fahrpraxis kompensiert werden können. Die psychologische Fahrverhaltensbeobachtung wird häufig im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung oder durch die Fahrerlaubnisbehörde veranlasst. Sie kann außerdem freiwillig Bestandteil eines Fahrer-Fitness-Checks oder des Mobilitätscoachings 60Plus sein.

Psychologische Fahrverhaltensbeobachtung unter realen Bedingungen

Anders als ein Leistungstest am Computer betrachtet die psychologische Fahrverhaltensbeobachtung das tatsächliche Verhalten im Straßenverkehr. Die Fahrt findet in einem für Fahrprüfungen zugelassenen Fahrzeug der Klasse B statt. Begleitet wird sie von einem erfahrenen Fahrlehrer und einem Verkehrspsychologen von AVUS. Vor Beginn besteht die Möglichkeit, sich mit dem Fahrzeug vertraut zu machen.

Die standardisierte Fahrstrecke ist mindestens 15 Kilometer lang und die Beobachtung dauert etwa eine Stunde. Sie umfasst unterschiedliche Verkehrssituationen, darunter innerstädtische Durchgangsstraßen, Wohngebiete mit Tempo-30-Zonen sowie Autobahnabschnitte oder autobahnähnliche Straßen. Dadurch kann das Fahrverhalten unter verschiedenen Anforderungen fachlich beurteilt werden.

Typische Fahraufgaben während der psychologischen Fahrverhaltensbeobachtung

Während der Fahrt treten typische Situationen auf, die im Straßenverkehr Aufmerksamkeit, Orientierung und eine angemessene Reaktion erfordern. Beobachtet wird dabei nicht eine einzelne Fahraufgabe, sondern das Zusammenspiel verschiedener Anforderungen.

  • Abbiegen und Linksabbiegen bei unterschiedlichen Vorfahrtsregelungen
  • Fahrstreifenwechsel und Fahren auf mehrspurigen Straßen
  • Verhalten an Ampeln, Stoppschildern und Fußgängerüberwegen
  • Berücksichtigung von Radfahrern und öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Orientierung anhand von Wegweisern
  • Anpassung der Geschwindigkeit an Beschilderung und Verkehrssituation
  • Verhalten bei unerwarteten oder mehrfachen Belastungen

Fahrpraxis als wichtiger Bestandteil der Beurteilung

Entscheidend ist, wie sicher mit den jeweiligen Verkehrssituationen umgegangen wird und ob bestehende Einschränkungen im praktischen Fahrverhalten ausgeglichen werden können. Die psychologische Fahrverhaltensbeobachtung liefert damit zusätzliche Erkenntnisse, wenn Ergebnisse aus medizinischen oder psychologischen Untersuchungen allein keine ausreichende Aussage über die praktische Fahrsicherheit ermöglichen.

Ob eine psychologische Fahrverhaltensbeobachtung im konkreten Fall erforderlich oder sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Eine persönliche Kontaktaufnahme kann vorab klären, in welchem Zusammenhang die Untersuchung durchgeführt wird und welche Voraussetzungen für die Durchführung zu beachten sind.